Ein Rennrad selber bauen

Eines Abends war ich bei irgendeinem Treffen, das mich irgendwie beflügelt haben muss. An den Inhalt erinnere ich mich nicht mehr, sehr wohl aber an die Heimfahrt mit meinem Fahrrad. Es ist ein alter Klepper mit Federgabel und 24 Gängen, von denen aber nur noch ein paar angewählt werden können. Die Straßen waren leer und der letzte Teil der Strecke war eine lange grade und ebene Straße. Ich trat in die Pedale, erinnerte mich an die Tritttechnik, von der ich mal gelesen hatte, bei der man sich vorstellen soll, man rollte mit der Fußsohle des Beines, das gerade den unteren Punkt der Strecke passiert hat ein Fass nach vorne, so dass nicht nur ein Bein Kraft auf die Kurbeln ausübt sondern beide. Der Effekt war, dass ich immer schneller wurde und schneller und schneller. Angefeuert von der Geschwindigkeit trat ich immer fester und die Muskulatur meiner Beine begann angenehm zu brennen, der Fahrtwind pfiff mir um die Ohren und die Reifen summten schön auf dem Asphalt. Was für eine herrliche Erfahrung! Als ich völlig ausser Puste war und meine Kleidung schon klamm vom Schwitzen, löste ich meinen festen Griff vom Lenker, richtete den Oberkörper auf, ließ ausrollen und lachte erschöpft. So fühlt sich der Rausch der Geschwindigkeit an! Und ich wollte bald mehr davon.

Mir war klar, ich brauchte ein neues Fahrrad. Eins, das auf Geschwindigkeit spezialisiert ist. Klar: ein Rennrad. Beim Thema Rennrad fiel mir aber sofort einiges ein, was nicht in mein Lebenskonzept passt: Männer mit rasierten Beinen und hautenger Kleidung, die nur aus Werbung besteht; Schuhe mit Klickpedalen, die im Herbst und Winter in Neoprenhüllen stecken; Training in der Gruppe; Mitgliedschaft im Sportverein; Carbon; 33 Gänge… Nein, so weit wollte ich nicht gehen. Ich wollte nur schnell fahren und meine Beinmuskeln spüren.

Ganz schön teuer, dachte ich, als ich mich mal so nach Rennrädern umschaute. Selbst gebrauchte bei Ebay, kriegt man nicht unter 600 Euro. Und leider sehen die dann fast immer nach Formel 1 Rädern mit lauten Namen aus.

Ich will ein solides, simples Rennrad mit guter Technik und aus Materialien, die ich lieben kann. Kein Carbon also. Und weil ich mir vorgenommen habe, mich im praktischen Denken zu üben und ich ein taktiler Typ bin, der alles anfassen will, baue ich mir selbst eins.

Ich bin kein Fahrradbauer und kein Ingenieur. Gelernt habe ich Gesundheits- und Krankenpflege. Es ist also gut möglich, dass ich ein paar Fehler machen werde, die ich dann wieder ausbügeln muss. Das schreckt mich aber nicht, denn aus Fehlern lernt man ja bekanntlich am meisten (5 Euro ins Phrasenschwein). Ich werde hier regelmäßig darüber berichten und versuchen, die Berichterstattung so ansprechend wie möglich zu gestalten.

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