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Der Rahmen

Rennradrahmen aus Aluminium
Rennradrahmen aus Aluminium

Wie anfangen? Womit geht es los? Wenn ich die Sache durchdenke, dann kommt mir als Krankenpfleger der Vergleich mit dem Menschen. Es soll zwar nur ein Rennrad entstehen, aber wenn ich einen Menschen von Grund auf bauen wollte, würde ich mit dem Skelett anfangen und alles andere daran anpassen. Und ich glaube, das Skelett des Rennrads ist sein Rahmen. Mein Vergleich mit dem Menschen ist gar nicht so gewagt, der Rahmenbauer Stefan Ensthaler nennt den Rahmen sogar die Seele eines Fahrrads.

Als erstes stelle ich fest, dass man sich für ein Material entscheiden muss. Carbon hatte ich schon ausgeschlossen. Als weitere Materialien stehen Aluminium und Stahl zur Auswahl. Aluminiumrahmen sind meistens leichter. Man erkennt sie leicht daran, dass der Durchmesser ihrer Rohre größer ist als beim Stahlrahmen, also etwas klobiger aussehen. Aluminiumrahmen sind meistens die billigsten, weil sie in Großserienproduktion in Asien hergestellt werden. Sie haben aber den Nachteil, dass sie ohne Vorwarnung brechen, was zu hässlichen Verletzungen führen kann. Sie sind nicht auf Langlebigkeit ausgelegt. Ich rate also vom Kauf gebrauchter Alurahmen ab. Stahlrahmen sind die klassischen Rahmen. Stahl ist also das Material für das solide Gute, das ich mir vorstelle.

Ich erzähle meinem Bruder von meinen Überlegungen. Er habe von seinem Schwiegervater ein Rennrad bekommen und deswegen noch einen Rahmen im Keller stehen. Offensichtlich hatte er ähnliche Pläne wie ich gehabt. Allerdings hat er beim Material nicht die Entscheidung Stahl getroffen, sondern Alu. Der Rahmen habe sogar meine Größe, sagt er. Ach ja, die Größe. Daran hatte ich ja noch gar nicht gedacht. Ein Fahrrad muss es ja in verschiedenen Größen geben. Na gut, ich nehme also den Alurahmen. Gut und günstig muss die Devise sein. Wenn ich es später dann so richtig drauf habe, baue ich mir ein Fahrrad mit Stahlrahmen.

Mein Bruder nimmt 100 Euro für den Rahmen. Allerdings hat der schon einen Steuersatz und eine Gabel. Der Steuersatz ist das Lager, in dem sich der Gabelschaft dreht. Somit habe ich mir nicht nur die Suche nach dem richtigen erspart, denn nicht jeder passt in jeden Rahmen, sondern auch den Einbau, der wie ich gehört habe, relativ aufwendig ist.

Die Bezeichnung der Teile des Rahmens
Die Bezeichnung der Teile des Rahmens
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Ein Rennrad selber bauen

Eines Abends war ich bei irgendeinem Treffen, das mich irgendwie beflügelt haben muss. An den Inhalt erinnere ich mich nicht mehr, sehr wohl aber an die Heimfahrt mit meinem Fahrrad. Es ist ein alter Klepper mit Federgabel und 24 Gängen, von denen aber nur noch ein paar angewählt werden können. Die Straßen waren leer und der letzte Teil der Strecke war eine lange grade und ebene Straße. Ich trat in die Pedale, erinnerte mich an die Tritttechnik, von der ich mal gelesen hatte, bei der man sich vorstellen soll, man rollte mit der Fußsohle des Beines, das gerade den unteren Punkt der Strecke passiert hat ein Fass nach vorne, so dass nicht nur ein Bein Kraft auf die Kurbeln ausübt sondern beide. Der Effekt war, dass ich immer schneller wurde und schneller und schneller. Angefeuert von der Geschwindigkeit trat ich immer fester und die Muskulatur meiner Beine begann angenehm zu brennen, der Fahrtwind pfiff mir um die Ohren und die Reifen summten schön auf dem Asphalt. Was für eine herrliche Erfahrung! Als ich völlig ausser Puste war und meine Kleidung schon klamm vom Schwitzen, löste ich meinen festen Griff vom Lenker, richtete den Oberkörper auf, ließ ausrollen und lachte erschöpft. So fühlt sich der Rausch der Geschwindigkeit an! Und ich wollte bald mehr davon.

Mir war klar, ich brauchte ein neues Fahrrad. Eins, das auf Geschwindigkeit spezialisiert ist. Klar: ein Rennrad. Beim Thema Rennrad fiel mir aber sofort einiges ein, was nicht in mein Lebenskonzept passt: Männer mit rasierten Beinen und hautenger Kleidung, die nur aus Werbung besteht; Schuhe mit Klickpedalen, die im Herbst und Winter in Neoprenhüllen stecken; Training in der Gruppe; Mitgliedschaft im Sportverein; Carbon; 33 Gänge… Nein, so weit wollte ich nicht gehen. Ich wollte nur schnell fahren und meine Beinmuskeln spüren.

Ganz schön teuer, dachte ich, als ich mich mal so nach Rennrädern umschaute. Selbst gebrauchte bei Ebay, kriegt man nicht unter 600 Euro. Und leider sehen die dann fast immer nach Formel 1 Rädern mit lauten Namen aus.

Ich will ein solides, simples Rennrad mit guter Technik und aus Materialien, die ich lieben kann. Kein Carbon also. Und weil ich mir vorgenommen habe, mich im praktischen Denken zu üben und ich ein taktiler Typ bin, der alles anfassen will, baue ich mir selbst eins.

Ich bin kein Fahrradbauer und kein Ingenieur. Gelernt habe ich Gesundheits- und Krankenpflege. Es ist also gut möglich, dass ich ein paar Fehler machen werde, die ich dann wieder ausbügeln muss. Das schreckt mich aber nicht, denn aus Fehlern lernt man ja bekanntlich am meisten (5 Euro ins Phrasenschwein). Ich werde hier regelmäßig darüber berichten und versuchen, die Berichterstattung so ansprechend wie möglich zu gestalten.

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