Stand der Dinge

“Beim @IDerailleur geht es voran” las ich letztens bei Twitter (Gruß an @SecretCoAuthor) und freute mich sehr über die Anteilnahme. Hier habe ich mal den Stand der Dinge filmisch dokumentiert:

 

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Das Innenleben – Innenlager

Verschiedene Innenlager

Es gibt sie mit Gewinde oder ohne. Wenn sie ein Gewinde haben, haben sie entweder ein italienisches oder ein englisches. Das italienische zeichnet sich dadurch aus, dass es im Uhrzeigersinn festgedreht wird, wie jede andere Schraube auch. Das englische Gewinde wird in die andere Richtung festgedreht – typisch englisch eben. Doch anders als die Gewohnheit auf der linken Straßenseite zu fahren, ist das englische Gewinde das weiter verbreitete und ist unter der Bezeichnung BSA oder ISO bekannt.
Ich finde heraus, dass das Gewinde in meinem Rahmen englisch ist. Das in Kombination mit Octalink ergibt für mich – so denke ich – das richtige Innenlager.

Die Achsenlänge

Mein erster Fehler. Octalink, denke ich muss passen. Passt auch rein ins Tretlagergehäuse. Dann aber entdecke ich, dass sich bei Tretlagern die Achsenlänge unterscheidet. Ich komme ins Grübeln. Ändert sich dann nicht auch jeweils der Abstand der vorderen Kettenblätter zur Mitte? Ist das Schaltwerk hinten und der Umwerfer vorne so flexibel? Ich schaue bei Shimano nach. Natürlich ist die Achsenlänge eine ganz bestimmte, schließlich ist ein Rennrad Präzisionsmechanik. Bei „Spindle Length“ werde ich fündig: 109,5 mm.

Das Tech Doc von Shimano zu meiner Kurbelgarnitur
Das Tech Doc von Shimano zu meiner Kurbelgarnitur

Mein eingebautes Innenlager hat aber eine Achsenlänge von 113 mm.

Die Achsenlänge ist für meine Kurbelgarnitur mit 113 mm zu lang
Die Achsenlänge ist für meine Kurbelgarnitur mit 113 mm zu lang

Also wieder raus damit, denn wie ich in einem Ratgeber lese, kann man an den Schaltwerken zwar viel verstellen, aber bei falscher Achsenlänge kann man noch so viel an den Schaltwerken schrauben, ein vernünftiges Schalten wird dadurch nicht möglich. Merke: alle Maße, die man auf dem Innenlager findet, sind wichtig und müssen zu den Maßen der restlichen Komponenten passen. Man sollte also immer die Service Instructions von Shimano lesen. Die findet man hier zum Downloaden.

Diese Achsenlänge passt
Diese Achsenlänge passt

 

 

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Ultegra FC 6500

Die Kurbeln sind da

Der Antrieb ist die erste Komponente, die ich an den Rahmen bauen will. Auch hier gilt wieder – und das wird für alle Komponenten gelten: nicht jede Kurbel ist gleich und nicht jede Kurbel passt. Es gibt sie in verschiedenen Längen, mit unterschiedlich großen Zahnkränzen, mit zwei oder mit drei Zahnkränzen, und die Verbindung zur Achse des Tretlagers ist unterschiedlich gestaltet.

Wie viele Gänge?

33 Gänge brauch ich nicht, auch nicht 30. 20 oder 18 werden mir reichen, schliesslich wohne ich nicht in den Bergen. Also genügen zwei Zahnkränze an der Kurbelgarnitur (so nennt man die eigentlichen Kurbeln in Kombination mit den Zahnkränzen). Man multipliziert nämlich die Anzahl der Zahnkränze vorne mit den Ritzeln hinten, um auf die Anzahl Gänge zu kommen. Auch den Größenunterschied zwischen den beiden Zahnkränzen muss man bedenken. Den bemisst man nach der Anzahl der Zähne. Ist der Größenunterschied zu klein, bräuchte man vorne dann eigentlich keine zwei Kränze, weil der Unterschied der Gänge dann verschwindend gering wäre. Und wenn er zu groß ist, fehlt einem in der Mitte etwas. Man kann die Zahnkränze auch einzeln austauschen. So ist es nicht allzu schlimm, dass ich mich, durch das beschränkte Angebot an gebrauchten Teilen, auf eine Auswahl aus Standardkombinationen beschränken muss. Ich „schieße“ mir bei Ebay eine Kurbelgarnitur mit zwei Zahnkränzen und Octalink-Verbindung, 172,5 cm und einer Zahnkranzkombination 39-53 (Anzahl Zähne) und zahle 17,50 Euro dafür.

Die Kurbelgarnitur entscheidet über die weiteren Komponenten

Jetzt, da diese Entscheidung gefallen ist, bin ich in der Wahl der weiteren Komponenten eingeschränkt: Der Brems-, Schalthebel muss für zwei mal X ausgelegt sein, der Umwerfer vorne muss für zwei Kettenblätter ausgelegt sein und schließlich muss das Tretlager mit Octalink-Achsen ausgestattet sein.

Achtung Verschleiß!

Noch ein paar Worte zum Verschleiß der Zahnkränze. Das ist natürlich ein Thema, wenn man gebrauchte kauft. Man sollte darauf achten, dass man keine verschlissenen einbaut. Man erkennt das an der Form der Zähne, die dann hakenähnlich werden, also eher in eine Richtung weisen. Sollte das der Fall sein, sind sie zu verschlissen für den Einbau.

Form des abgenutzten Zahnkranzes
Form des abgenutzten Zahnkranzes
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Ultegra

Was heißt eigentlich Ultegra?

Es wird Zeit, mir Gedanken über die Komponenten meines Renners zu machen. Komponenten nennt man die Teile, die meiner Beine Kraft nachher auf die Straße bringen: Kurbeln, Schaltwerk, Kette, Ritzel und so weiter. Und da wird schnell klar: hier sind die Japaner ganz weit vorne. Wer hätte gedacht, dass die kleinsten Japaner bei den größten Radrennen immer ganz weit vorne mitfahren! Natürlich ist die Rede von Shimano; eine japanische Firma, die hauptsächlich Fahrradteile herstellt. Es gibt aber auch Campagnolo… Schnell wird auch dies klar: Entweder man ist Shimano oder Campa. Es füllen sich ganze Internet-Foren mit erbitterten Wortgefechten darüber, was man zu fahren hat. Der Vollständigkeit halber soll Sram nicht unerwähnt bleiben, aber deren Marktanteil scheint sehr gering – jedenfalls gemessen an der Trefferzahl bei Ebay. Ich habe mir nämlich vorgenommen, die meisten Teile gebraucht zu kaufen. Billig wird auch das nicht, wie sich herausstellt.

Ein bisschen eingeschüchtert von dem Glaubenskrieg zwischen Campas und Shimanos (Sram scheint wie gesagt eine geschonte Minderheit zu sein), will ich hier mal deutlich sagen: ich habe nichts gegen Campagnolo. Im Gegenteil, die Vorstellung, europäische Teile zu verbauen, finde ich reizvoll. Trotzdem entscheide ich mich für Shimano. Da ist die Auswahl an gebrauchten Teilen einfach größer.

Doch die Entscheidung für Shimano reicht noch nicht. Shimano ist nicht gleich Shimano. Denn wie es von VW nicht nur den Golf gibt, sondern noch den Passat und den Phaeton, unterscheiden sich auch z.B. die Rennradbremsen in der Preisklasse. Da gibt es etwas, das sich Ultegra nennt. Das klingt nach guter Qualität. Irgendwie nach einer Mischung aus Ultra und Integer. Doch meine Vermutung, dass der Name eine lateinische Wurzel hat, ist falsch. Es gibt das Wort Ultegra erst seitdem Shimano es erfunden hat. Wenn ich nicht irre, war Ultra in der Jugendsprache mal die Bezeichnung für das Beste vom Besten. Bei Shimano kommt da aber eine Preisstufe höher noch Dura-Ace (klingt nach hartem Ass). Gebrauchtes Ultra ist für mich gut genug. Würde ich mir ungebrauchte Teile kaufen, dann wären das 105er, die einer Preisstufe niedriger. Noch billiger ist Tiara, Sora und Claris, aber die hab ich ehrlich gesagt noch nie gesehen.

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Der Rahmen

Rennradrahmen aus Aluminium
Rennradrahmen aus Aluminium

Wie anfangen? Womit geht es los? Wenn ich die Sache durchdenke, dann kommt mir als Krankenpfleger der Vergleich mit dem Menschen. Es soll zwar nur ein Rennrad entstehen, aber wenn ich einen Menschen von Grund auf bauen wollte, würde ich mit dem Skelett anfangen und alles andere daran anpassen. Und ich glaube, das Skelett des Rennrads ist sein Rahmen. Mein Vergleich mit dem Menschen ist gar nicht so gewagt, der Rahmenbauer Stefan Ensthaler nennt den Rahmen sogar die Seele eines Fahrrads.

Als erstes stelle ich fest, dass man sich für ein Material entscheiden muss. Carbon hatte ich schon ausgeschlossen. Als weitere Materialien stehen Aluminium und Stahl zur Auswahl. Aluminiumrahmen sind meistens leichter. Man erkennt sie leicht daran, dass der Durchmesser ihrer Rohre größer ist als beim Stahlrahmen, also etwas klobiger aussehen. Aluminiumrahmen sind meistens die billigsten, weil sie in Großserienproduktion in Asien hergestellt werden. Sie haben aber den Nachteil, dass sie ohne Vorwarnung brechen, was zu hässlichen Verletzungen führen kann. Sie sind nicht auf Langlebigkeit ausgelegt. Ich rate also vom Kauf gebrauchter Alurahmen ab. Stahlrahmen sind die klassischen Rahmen. Stahl ist also das Material für das solide Gute, das ich mir vorstelle.

Ich erzähle meinem Bruder von meinen Überlegungen. Er habe von seinem Schwiegervater ein Rennrad bekommen und deswegen noch einen Rahmen im Keller stehen. Offensichtlich hatte er ähnliche Pläne wie ich gehabt. Allerdings hat er beim Material nicht die Entscheidung Stahl getroffen, sondern Alu. Der Rahmen habe sogar meine Größe, sagt er. Ach ja, die Größe. Daran hatte ich ja noch gar nicht gedacht. Ein Fahrrad muss es ja in verschiedenen Größen geben. Na gut, ich nehme also den Alurahmen. Gut und günstig muss die Devise sein. Wenn ich es später dann so richtig drauf habe, baue ich mir ein Fahrrad mit Stahlrahmen.

Mein Bruder nimmt 100 Euro für den Rahmen. Allerdings hat der schon einen Steuersatz und eine Gabel. Der Steuersatz ist das Lager, in dem sich der Gabelschaft dreht. Somit habe ich mir nicht nur die Suche nach dem richtigen erspart, denn nicht jeder passt in jeden Rahmen, sondern auch den Einbau, der wie ich gehört habe, relativ aufwendig ist.

Die Bezeichnung der Teile des Rahmens
Die Bezeichnung der Teile des Rahmens
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Ein Rennrad selber bauen

Eines Abends war ich bei irgendeinem Treffen, das mich irgendwie beflügelt haben muss. An den Inhalt erinnere ich mich nicht mehr, sehr wohl aber an die Heimfahrt mit meinem Fahrrad. Es ist ein alter Klepper mit Federgabel und 24 Gängen, von denen aber nur noch ein paar angewählt werden können. Die Straßen waren leer und der letzte Teil der Strecke war eine lange grade und ebene Straße. Ich trat in die Pedale, erinnerte mich an die Tritttechnik, von der ich mal gelesen hatte, bei der man sich vorstellen soll, man rollte mit der Fußsohle des Beines, das gerade den unteren Punkt der Strecke passiert hat ein Fass nach vorne, so dass nicht nur ein Bein Kraft auf die Kurbeln ausübt sondern beide. Der Effekt war, dass ich immer schneller wurde und schneller und schneller. Angefeuert von der Geschwindigkeit trat ich immer fester und die Muskulatur meiner Beine begann angenehm zu brennen, der Fahrtwind pfiff mir um die Ohren und die Reifen summten schön auf dem Asphalt. Was für eine herrliche Erfahrung! Als ich völlig ausser Puste war und meine Kleidung schon klamm vom Schwitzen, löste ich meinen festen Griff vom Lenker, richtete den Oberkörper auf, ließ ausrollen und lachte erschöpft. So fühlt sich der Rausch der Geschwindigkeit an! Und ich wollte bald mehr davon.

Mir war klar, ich brauchte ein neues Fahrrad. Eins, das auf Geschwindigkeit spezialisiert ist. Klar: ein Rennrad. Beim Thema Rennrad fiel mir aber sofort einiges ein, was nicht in mein Lebenskonzept passt: Männer mit rasierten Beinen und hautenger Kleidung, die nur aus Werbung besteht; Schuhe mit Klickpedalen, die im Herbst und Winter in Neoprenhüllen stecken; Training in der Gruppe; Mitgliedschaft im Sportverein; Carbon; 33 Gänge… Nein, so weit wollte ich nicht gehen. Ich wollte nur schnell fahren und meine Beinmuskeln spüren.

Ganz schön teuer, dachte ich, als ich mich mal so nach Rennrädern umschaute. Selbst gebrauchte bei Ebay, kriegt man nicht unter 600 Euro. Und leider sehen die dann fast immer nach Formel 1 Rädern mit lauten Namen aus.

Ich will ein solides, simples Rennrad mit guter Technik und aus Materialien, die ich lieben kann. Kein Carbon also. Und weil ich mir vorgenommen habe, mich im praktischen Denken zu üben und ich ein taktiler Typ bin, der alles anfassen will, baue ich mir selbst eins.

Ich bin kein Fahrradbauer und kein Ingenieur. Gelernt habe ich Gesundheits- und Krankenpflege. Es ist also gut möglich, dass ich ein paar Fehler machen werde, die ich dann wieder ausbügeln muss. Das schreckt mich aber nicht, denn aus Fehlern lernt man ja bekanntlich am meisten (5 Euro ins Phrasenschwein). Ich werde hier regelmäßig darüber berichten und versuchen, die Berichterstattung so ansprechend wie möglich zu gestalten.

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